Die "interaktive" Online-Bewerbung
Abgrenzung zu allen klassischen Bewerbungstechniken und
zu allen anderen Online-Bewerbungsformen
Ein neuer Abschnitt in der bereits begonnen Zukunft ist die interaktive
Online-Bewerbung.
Diese Form ist zwar noch nicht so stark verbreitet, wird aber immer häufiger angewandt werden.
Was ist das Neue bei der interaktiven
Bewerbung? Interaktiv bedeutet, dass zwischen den Teilnehmern ein Dialog
stattfinden kann, also eine Interaktion , eine wechselseitige Beziehung, und
nicht nur ein Austausch von Dateien. Damit eine Wechselseitigkeit eintreten
kann, wird der Onlinezugang für die Bewerbung zu einer Zugangsbedingung
Der Lebenslauf und alle anderen Qualifikationen rücken in den Hintergrund - alleine die Beherrschung von Onlinekompetenzen macht hier das Auswahlverfahren aus.
Hier wird keine Bewerbung an das Unternehmen verschickt.
Nicht einmal ein Bewerbungsbrief. Man befindet sich in einer ständigen Online-Verbindung auf der Seite des Unternehmens und muss in einem vorgegebenen Zeitrahmen verschiedene Fragen eines Online-Testes beantworten.
Zugang zu einer Arbeitsstelle mit diesem Auswahlverfahren ist nur über diesen Weg möglich. Alle anderen Arten der Bewerbung werden nicht akzeptiert.
Nach einer kurzen Abfrage der persönlichen Daten folgt ein längerer Online-Test. - Das Ergebnis des Testes erfährt man erst später, ebenso ob ein Vorstellungsgespräch stattfinden wird.
Bei allen anderen Arten der Bewerbung steht die Auswertung der Bewerbungsunterlagen an erste Stelle - hier nicht. Hier ist das Bewerbungsverfahren umgekehrt. Zuerst Beweisantritt der Onlinekompetenz des Bewerbers und erst wenn der erbracht ist, Auswertung der Bewerbungsunterlagen.
Der Umgang mit den neuen Medien (Onlinekompetenz) ist hier nicht nur eine wichtige Qualifikation, auf die in der Bewerbung hingewiesen wird, hier ist sie Zugangsvoraussetzung ohne die das Unternehmen unerreichbar bleibt.
Hier ist die Wichtigkeit von Onlinekompetenz zu absolut unabdingbar angestiegen.
Das gängige Bewerbungsverfahren
wird umgekehrt. Die interaktive
Bewerbung mit Test wird an den Anfang des Bewerbungsverfahrens gestellt und erst
im Anschluss daran folgt das klassische Bewerbungsverfahren. Wenn
sich das Unternehmen, aufgrund der Auswertung des Testes, interessiert zeigt,
erfolgt zumeist ein Vorstellungsgespräch bei dem Unternehmen. Dann sind spätestens
die klassischen Bewerbungsunterlagen vorzulegen. Erst ab diesem Zeitpunkt fließen
die "klassischen Daten" des Bewerbers in das Auswahlverfahren ein.
Eignungstest in Spiele verpackt
Einen ersten spektakulären Versuch, mit einem
interaktiven Eignungstest spielerisch an Bewerber zu kommen, hat Siemens im
Sommer 2000 mit dem Online Recruitingspiel "Challenge Unlimited"
durchgeführt. Dieses Spiel wurde zusammen mit Psychologen der Ruhr Universität
Bochum entwickelt (Leitung: Prof. Dr. Heinrich Wottawa und Christine
Schafsteller) bei dem parallel zu einem Spielgeschehen ausgeklügelte Aufgaben mit
Persönlichkeits- und Leistungstests gelöst werden müssen.

In diesem Spiel, das inzwischen nicht mehr über das Internet
zugänglich ist, ließen sich über 18.000 Kandidaten registrierten. Wer mitspielte konnte Reisen und andere
Preise gewinnen. Vor allem aber ging es um einen möglichen Job bei dem Konzern.
Zu Beginn des Spieles musste daher angegeben werden, für welchen Bereich und
welche Funktion der Spieler sich interessiert.
Bei der Spielhandlung wurde der "CyberConsultant"
in der Zukunftsstadt Nuovopolis mit verschiedenen Aufgaben konfrontiert, z. B. einem Flug durch einen
Asteroidengürtel oder mit der Bedrohung der Stadt durch einen Meteoriten.
Allein oder im Team stellen die Teilnehmer sich den Herausforderungen, ihr
Vorgehen und ihre Ergebnisse zeichnet Siemens auf. Ausgewertet werden diese
Daten dann nach angeblich psychologisch abgesicherten Testverfahren, so dass schließlich
ein umfassendes aber zweifelhaftes Profil des Spielers entsteht.
Sechs für Siemens interessante Kernkompetenzen
sollen die
Teilnehmer spielerisch unter Beweis stellen: Ihre Kreativität, ihre Lernfähigkeit,
ihre Kundenorientierung, ihre Teamfähigkeit, ihre Ergebnisorientierung und
ihre Initiative. Neu ist der Test der
Teamfähigkeit. Spieler einer Gruppe, die gemeinsam ein für den Fortgang des
Spiels konkretes Problem lösen, bewerten jeweils ihre Mitspieler. Durch
Auswertung dieser Urteile werden Schlüsse über die Person jedes einzelnen
gezogen.
Nach Abschluss des Spieles
erfolgte eine Bewertung, inwieweit die betreffende Person für die angegebene
Stellung geeignet wäre.
Die Daten des Spielers werden erst dann von Siemens ausgewertet, wenn er
sie selbst freigegeben hat, und sie werden ausschließlich intern genutzt.
Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen gewährleisten zudem den Datenschutz. Die
besten Spieler lädt Siemens zu einem persönlichen Auswahlverfahren
ein.
Ob dieses neuartige Verfahren in der Lage ist die
Erwartungen der Unternehmen zu erfüllen wird sich noch zeigen.
Spielerische "Karrierejagd "
Ebenfalls auf spielerische Art und Weise versucht CYQUEST
(www.cyquest.de) mit seinem Spiel "Karrierejagd
einer abenteuerlichen Reise (Mission) durch die Bewerbungswelt"
(Originalton) an die Daten von vor allem jungen Bewerbern zu kommen.

Nach eigener Aussage ist dieses Spiel für Studenten,
Absolventen und "Young Professionals" (Akademiker mit ca. 3 Jahren
Berufserfahrung) gedacht. Die Gesamtspielzeit beträgt ca. 2 Stunden und kann
jederzeit mit Zwischenspeicherung des Spielstandes unterbrochen werden.
CYQUEST bezeichnet sich selbst als Pionier im "Online-Recrutainment". Mit Hilfe interaktiver webbasierter Anwendungen wie z.B.
der Karrierejagd ermöglicht CYQUEST die Generierung detaillierter Profildaten.
Im Spiel werden Daten zu Lebenslauf, Berufserfahrungen und Qualifikationen
abgefragt.
Auf diese anonymisierten Informationen können Unternehmen
zugreifen und dem Spieler über CYQUEST individuelle Angebote unterbreiten. Sie
wissen nicht wer der Spieler ist, sie sehen nur das Profil. Ist ein Unternehmen
an der Person interessiert, informieren CYQUEST den Mitspieler und fragt an, ob
er an einer Kontaktherstellung interessiert ist.
Auf Wunsch kann der Spieler ein Feedback über seine Lösungsansätze
im Spiel erhalten.Zur Registrierung gibt man einen
Usernamen und ein Passwort an. Damit ein Feedback für evtl. Nachfragen durch
Firmen möglich ist, muss auch noch eine E-Mail Adresse angegeben werden.
Online
-Testverfahren
Neben den bereits erwähnten Eignungstests, die mehr
spielerisch die Qualitäten eines Bewerbers ermitteln, gibt es noch interaktive
Methoden, die sich ganz der klassischen Verfahren von Eignungstests
bedienen. Dabei werden den Bewerbern unterschiedliche Testseiten vorgelegt, die
ganz unterschiedliche Themenbereiche wie z.B. Reaktions- oder
Konzentrationsvermögen, technisch / physikalisches Verständnis und
Zuverlässigkeit abprüfen.
Sinn und
Unsinn von Eignungstests
Das Problem des Bewerbers ist, dass sich manche
Unternehmen nicht den Anforderungen eines richtigen Bewerbungsverfahrens stellen
wollen und meinen, dass sie es aufgrund der Vielzahl von Bewerbern nicht nötig
hätten, dies zu tun. Diese Unternehmen sehen nicht, dass sie die persönlichen
und fachlichen Kompetenzen des Bewerbers nicht mit zweifelhaften Verfahren
erkennen können. Die Unternehmen, die so handeln, selektieren bestimmte Gruppen
(wie z.B. Bewerber über 40 Jahre alt und Frauen) einfach aus, weil sie diese
von vornherein für ungeeignet halten und um die Anzahl der Bewerber zu
reduzieren. Dies reicht einigen noch nicht und so sind sie auf der Suche nach
neuen Selektionsarten. Daher nehmen sie solche Angebote gerne an und setzten
diese dann ein
Das "Recruiting"
von geeigneten Arbeitnehmern ist heute ein einträgliches Geschäft zahlloser
"Unternehmensberatungen" geworden. Wobei der Begriff Rekrutierung
schon deren Denkweise zum Ausdruck bringt. Zu den beliebtesten Mitteln
gehören die Eignungstest, wobei in Unkenntnis "wissenschaftlicher"
Methoden oft völlig ungeeignete Tests eingesetzt oder falsch angewandt
werden.
Für den Bewerber ist es daher sehr wichtig, genau informiert
zu sein, welchem Test er gegenübersteht, um diesen für eine erfolgreiche
Bewerbung einsetzen zu können. Der Bewerber darf sich nicht vom
"Test" benutzen und zur Sache degradieren lassen, sondern er muss den
Test benutzen um sich erfolgreich zu bewerben.
Aufgrund der ständigen Veränderungen und Neuerungen im
Bereich Online-Bewerbung ist es unabdingbar, dass sich Bewerber immer auf den
Laufenden halten.
Vorteile aus Sicht des Arbeitgebers
Tests liefern Entscheidungskriterien für die Auswahl
geeigneter Bewerber aus einer Vielzahl von Kandidaten
Tests würden Fehleinstellungen vermeiden
helfen
Reduzierung der Kosten bei der Auswahl geeigneter
Kandidaten
Befürworter behaupten, dass mit geeigneten Testverfahren
die Belastungsfähigkeit der Bewerber hinsichtlich Konzentration, Ausdauer und
Arbeitsintensität ermittelt werden könne. Außerdem seien Test in der Lage das
logische Denken, das Urteils- und Abstraktionsvermögen und die Auffassungsgabe
zu bewerten.
Nachteile für den Arbeitnehmer
Die Eignungstests messen Eigenschaften, die für die
Ausübung der späteren Tätigkeit nicht relevant sind.
Eignungstests sind wissenschaftlich nicht abgesichert.
Kandidaten können die Qualität von Tests nicht beurteilen.
Auswertung der Tests erfolgt nicht unbedingt durch
qualifiziertes Personal.
Tests können die Persönlichkeit der
Kandidaten durchleuchten und Aufschluss zu Dingen geben, die über das Arbeitsverhalten
hinausgehen und die den Arbeitgeber nicht zu interessieren haben.
Kandidaten können sich gegen Tests nicht wehren.
Bisher erbrachte Leistungen (Zeugnisse, Diplom,
Arbeitszeugnisse) treten in den Hintergrund oder sind sogar ohne Bedeutung, wenn
das Testergebnis über die Nichteinstellung eines Bewerbers entscheidet.
Die Leistung des Bewerbers wird stark beeinflusst von der
ungewohnten Prüfungssituation, die bei der späteren Tätigkeit im Betrieb
nicht auftritt.
Fazit
Für
Bewerber ist es wichtig , sich nicht durch Eignungstests beirren zu lassen. Wer eine
(gesunde) Abneigung gegen Tests hat, sollte sich dennoch nicht dazu verleiten
lassen, seine ganze Energie in den Ärger über den Test zu stecken, anstatt
diese in die Lösung der Aufgaben zu investieren. Besser ist es, sich auf diese Situation einzustellen und sich
bereits im Vorfeld intensiv mit den einzelnen Testverfahren zu beschäftigen und
diese einzuüben.