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E-Cruiting

Früher genügte es vielen Unternehmen, wenn Sie ihrem Web-Auftritt einfach eine weitere Seite „Stellenangebote“ hinzufügten, auf der sie die freien Stellen ihres Unternehmens anboten und dazu eine E-Mail Adresse angaben,  unter der sich Bewerber melden konnten. Aus „Imagegründen“ fanden sich dort oft sogar Stellen, die das Unternehmen überhaupt nicht zu vergeben hatte.

Die Tendenz weist in eine weiterführende Richtung und viele Unternehmen sind bereits diesen Weg gegangen. Das „Recruiting“ von qualifizierten Fachkräften, jetzt E-Recruiting oder E-Cruiting genannt, hat sich zu einer für  Arbeitgeber ernst zu nehmenden Managementaufgabe gewandelt. Daraus resultieren dann auch neue Anforderungen an die Arbeitnehmer, die nun Gegenstand dieses Managements geworden sind.

Neue Anforderungen an Arbeitnehmer

Arbeitnehmer müssen sich immer öfter einem (interaktiven) Assessment-Verfahren durch die Firmen unterziehen. Die Formalqualifikationen eines Bewerbers (Prüfungen, Zeugnisse, Diplome) treten mehr und mehr in den Hintergrund.

Ein Beispiel für einen vollkommen neuen E-Cruiting Prozess ist das Modell 5000x5000 des VW-Konzerns bzw. deren Tochtergesellschaft „Auto 5000 GmbH“.   (www.auto5000.de)

Qualifizieren können sich ausschließlich Erwerbslose, die so viel Onlinekompetenz besitzen, um sich einem ca. 45 minütigen Online-Test unterziehen zu können. Dieser Test soll nach Aussage des Konzerns „die kognitiven Fähigkeiten, die Motivation, das berufliche Interesse, das mechanisch-technische Verständnis sowie die Integrität des Bewerbers“ testen.

Nur wer diesen Test besteht, wird dann zu weiteren Tests in sogenannten „Job-Centern“ vor Ort eingeladen.

Natürlich sind bei einem solchen Verfahren die Manipulationsmöglichkeiten sehr groß. Unter Angabe einer falschen Identität kann man die Tests auch vorher ausprobieren.. Danach dürfte der eigentliche Test dann keine Schwierigkeit mehr darstellen. Einerseits ist der Ehrliche bei einem solchen Testverfahren unter Umständen der Dumme; denn wenn er nicht manipuliert, wird er möglicherweise gar nicht mehr zu weiteren Tests eingeladen. Andererseits kann man dies auch als eine Art Negativauslese verstehen.: Wer nicht in der Lage ist, diesen Test auszutricksen, eignet sich nicht als cleverer Mitarbeiter für das Unternehmen.

E-Cruiting als Managementaufgabe

Die Vorteile des E-Cruiting für ein Unternehmen sind:

  • Die Daten der Bewerber liegen digitalisiert vor.

  • Die Struktur der Bewerberdaten ist einheitlich.

  • Die Daten können direkt, teils automatisiert miteinander verglichen werden

  • Bei der Bewerberauswahl können digitale Filter  eingesetzt werden.

  • Die Daten können gezielt nach Schlüsselwörtern durchsucht werden

  • Formulare lassen sich gezielt für bestimmte Aufgaben oder Stellenprofile entwickeln

Je mehr die Unternehmen jedoch auf digitalisierte Daten bauen und je mehr Daten sie somit von Bewerbern in eigens dafür angelegten Datenbanken „pflegen“, um so mehr rückt die Individualität des Einzelnen in den Hintergrund. Entscheidend sind letztlich nur noch die leicht fassbaren und in Datenbanken speicherbaren Daten, die sich  bei Online-Test, Online-Spielen oder über Formulare ermitteln lassen. Andererseits stellt das auf das Internet verlagerte Assessment-Center eine Hürde sowohl für den Bewerber als auch für das Unternehmen dar. Fachkräfte, die bereitwillig solch einen komplexen Bewerbungsvorgang durchlaufen, erwarten von dem Unternehmen eine entsprechende Würdigung ihrer Bemühungen. Werden diese nicht oder nur unzureichend von den Unternehmen respektiert, kann dies zu einer erheblichen Imageschädigung bei den betreffenden Unternehmen führen.

 

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